RNA-Interferenz: Therapie per Genschalter

RNAi-Medikament zur Behandlung der Polyneuropathie bei erblicher Transthyretin-vermittelter Amyloidose bei Erwachsenen (© Alnylam)

Die RNA-Interferenz (RNAi) ist der natürliche Prozess des Gen-Silencing, der in zahlreichen Organismen von Pflanzen bis hin zu Säugetieren auftritt. Dieser Mechanismus kontrolliert die Genexpression einzelner Gene in einer Zelle. Mit Hilfe des von Prof. Dr. Thomas Tuschl und Kollegen am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen entwickelten RNAi-Verfahrens ist es möglich, die Umsetzung von Genen in Proteine zu beeinflussen. Gene können auf diese Weise gezielt abgeschaltet werden, so dass die in den Genen enthaltenen Informationen nicht weitergegeben werden. Das Verfahren stellt daher einen viel versprechenden Ansatz zur Behandlung verschiedener Krankheiten wie Stoffwechselerkrankungen und Krebs dar. Mit Alnylam´s ONPATTRO™ befindet sich seit 2018 das weltweit erste RNAi-Medikament auf dem Markt. 2019 hat Alnylam die Zulassung der FDA für Givlaari (Givosiran), ein weiteres RNAi-Medikament erhalten.

Die RNA-Interferenz wurde zuerst in Pflanzen und einigen wirbellosen Tieren (z.B. Fruchtfliege) beschrieben. Thomas Tuschl und Kollegen vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen gelang es dann aber erstmals die Funktion von RNAi auch in Säugerzellen nachzuweisen. In dem durch Thomas Tuschl entwickelten RNAi-Verfahren werden synthetisch hergestellte RNA-Stränge in eine Zelle eingebracht. Diese binden sich an die komplementäre Boten-RNA (mRNA), die anschließend durch einen komplexen zellulären Mechanismus abgebaut bzw. zerstört wird. Die Umsetzung von Genen in Proteine wird so reduziert oder unterbunden. Mithilfe der RNAi ist es also möglich, einzelne Gene gezielt abzuschalten, so dass die im Gen enthaltenen Informationen nicht weitergegeben werden und das entsprechende Protein nicht hergestellt wird. Die Entdeckung dieses „Schalters“ stellt somit einen viel versprechenden Ansatz zur Behandlung unterschiedlichster Krankheiten, die teilweise heute noch nicht durch Medikamente adressiert werden können, dar. RNAi-Therapeutika bilden somit eine bedeutende neue Klasse von Medikamenten. Sie könnten in der Zukunft unter anderem zur Behandlung von viralen Krankheiten, Stoffwechselerkrankungen oder auch Krebserkrankungen eingesetzt werden und eine ähnliche Bedeutung erlangen, wie bereits heute monoklonale Antikörper.

Lizenznehmer Alnylam ist eines der führenden Unternehmen bei der Entwicklung von RNAi-Arzneimitteln. Mehrere Projekte befinden sich bereits in verschiedenen klinischen Phasen. 2018 gab Alnylam die weltweit allererste FDA-Zulassung eines RNAi-Therapeutikums – ONPATTRO™ (Patisiran) – zur Behandlung der Polyneuropathie bei hereditärer Transthyretin-vermittelter Amyloidose bei Erwachsenen bekannt.